Unsere letzte diesjährige Reiseetappe beginnt heute.
Aber starten möchte ich mit einem aktuellen Appell einer Geisel, die die tiefe Sorge ausspricht, die aktuell viele Israelis, jetzt nach der Wahl umtreibt.

„Verrate uns nicht“ – Rom Braslavski, eine ehemalige Geisel des „Palästinensischen Islamischen Dschihad“ in Gaza – er wurde im Alter von 19 Jahren entführt (wurde im Tunnel, völlig abgemargert, aufgefordert sein eigenes Grab auszuheben) und etwas mehr als nach zwei Jahren befreit –, wendet sich direkt an Gadi Eisenkot, den ehemaligen Generalstabschef der israelischen Armee (IDF) und eine führende Persönlichkeit der israelischen Opposition. Angesichts der zunehmenden politischen Verhandlungen im Vorfeld der Parlamentswahlen lehnt der ehemalige Geisel die Idee eines Bündnisses mit arabisch-muslimischen Parteien, deren Vertreter die Hamas nicht verurteilen, kategorisch ab. In einer am Mittwoch, dem 28. Oktober, auf X veröffentlichten Nachricht schreibt er: „Eisenkot, ich bitte dich darum. Meinetwegen. Für die Überlebenden der Gefangenschaft, für die trauernden Familien und für alle, die für dich gestimmt haben: Verrate uns nicht und gehe kein Bündnis mit jenen Arabern ein, die den Terrorismus unterstützen und die Hamas nicht verurteilen. Ich habe die Gefangenschaft nicht überlebt – und wir haben den 7. Oktober nicht durchlebt –, damit diese Leute nun in der Knesset sitzen.Politik – aber nicht um jeden Preis.“ Ein besonders eindringlicher, herzzerreißender Appell von Rom, der mehr als nur die Hölle in den Kerkern der Terroristen in Gaza durchlebt hat.
Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zu Ofra und Shimon. Wir sind verabredet zu 10 Uhr. Shimon (84) hatte Vorfahren in Kiel und Ofras Großvater kam aus Pressburg, dem heutigen Bratislava. War erst in Wien als Kantor der jüdischen Gemeinde tätig. Dann von der Hamburger Gemeinde an die Bornsynagoge angeworben. Hier wurde ihm mitgeteilt, dass er um alle Gebete zum Jom Kippur vortragen zu können, müsse er heiraten, (spezielle Gebete dürfen nur Verheiratete vortragen) Ihm wurde mitgeteil, er habe jetzt noch dafür ein Jahr Zeit und schließlich fand man für ihn eine Frau aus der Lübecker Gemeinde. So war er ein Jahr später in der Lage, alle Gebete zu singen. Schließlich zum Ende seiner deutschen Zeit war er Kantor in der Frankfurter Gemeinde, die er dann rechtzeitig von einem Freund gewarnt, verließ, um erst nach Ungarn auszureisen und dann nach Israel einreiste. Ofra wurde deshalb 1948 in Jerusalem geboren.

Mittags treffen wir uns nachmal zum Abschied mit Ruth und David auf dem Weizman Gelände zum Mittagessen. Den Beiden steckt ihr Lauf und wenig Schlaf noch in den Knochen. Aber Beide haben einen normalen Arbeitstag.
Wir fahren weiter nach Jerusalem und kommen am frühen Nachmittag im Kloster Ratisbonne. Nach der Pause müssen wir nochmal raus. Also zur Altstadt.

