Samstag, 22.3. Schabbat

Heute gehts nach Jerusalem. Der Morgen beginnt mit einem Gottesdienst der Beth-El Gemeinsschaft in Binyamina. Wir haben es praktisch, denn der Saal ist im Nebenhaus unserer Ferienwohnung, in Nachbarschaft der Molkerei des Kibbuz, also ein kleiner Weg für uns. Der Saal fasst ca. 200 Personen und wird proppe voll. Wir setzen uns in die letzten Reihen, bis Abi uns aufmerksam macht, dass da der „Jugendchor“ gleich sitzt. Grund, umzuziehen. Diesem Chor, besser, dem Kreis der Jungerwachsenen bis zur Ehe, wird hier besonderes Augenmerk geschenkt, da deutlich wurde, wie wichtig es (für alle), aber gerade für junge Menschen in dieser Zeit ist, Gemeinschaft zu erleben und zu pflegen. Ist auch die Gruppe, wo die jungen Männer in der israelischen Armee dienen. Hier hat das Kibbuz eine besondere Vereinbarung mit der Regierung, da keine Pflicht des militärischen, bzw. sozialen Staatsdienstes für christliche Mitglieder des Kibbuz besteht. Sie dienen in einer Einheit des militärischen Geheimdienstes, in welcher gerade ihr technisches Wissen als Teil des üblichen eigenen Kibbuz- Schulunterichts besonders wertgeschätzt wird. Dies bedeutet auch, dass dieser Dienst der Geheimhaltung unterliegt und sie darüber nicht, auch nicht mit ihrer Familie sprechen dürfen, ja zuvor sich jeder dazu vertraglich verpflichtet. Ein junger Mann berichtete uns sogar von einem umfassenden Lügendedektortest über mehrere Stunden, den er nach 2 Jahren Dienst absolvieren musste.

Die Predigt hielt ein Ältester, Arnold Kurucz, – er leitet die Fabrikation in Magen Shaul, bei Afula und in Sapir, in Nähe von Eilat, ganz im Süden – die zentrale Ausrichtung seiner Ausführungen, biblisch durch viele gelesene Textstellen gegründet, ist Bedeutung, für uns Christen, Israel zu dienen. Aufruf ein Teil der Schutzmauer (in Gebet und Tat) für Israel zu sein, für Israel in den Riss zu treten, u.a. Hesekiel 22,30; Auszüge aus Jesaja 52, 61 u. 62 und weitere. Es sprach uns sehr an.

Im Mehrfamilienhaus, Sitz der Ferienwohnung, wohnt auch ein aus Ungarn stammendes, älteres Kibbuzmitglied, der den Garten vor dem Haus pflegt. Stolz zeigt er uns seinen Pomelobaum, der Blüte und Früchte gleichzeitig trägt.

Nach dem Packen gibt es bei Abi ein Festagsessen. Rouladen aus eigener Rinderzucht…, eben Schabbat!

Familie Fuchs

Zum Abschluss „bedienen“ wir uns am Obst des Kibbuz und Daniel stellt uns den Monitor für die Handy -Navi- Nutzung ein. Es ist schon hilfreich mit ihm einen hebräischkundigen Digitalspezialisten zur Seite zu haben. Was für ein Komfort, zum ersten Mal so das Handy-Navi nutzen zu können.

Im Kibbuz-Kuschelzoo gibt es schwarz und weiß vereint

Auf dem Weg nach Jerusalem fahren wir beinahe an Rechovot vorbei. David, unser Ältester, lebt dort. Grund für einen Anruf. Er ist gestern Abend von einer Konferenz aus Italien zurückgekehrt, wo er einen Vortrag über seine Forschungsarbeit in der Krebsforschung im Weizmann Institut gab. Da er am nächsten Tag schon weiter nach Eilat fährt, verabreden wir uns für die letzten 3 Tage unseres Israelaufenthaltes. Für uns ist es auch sicherer, vor Schabbatende in Jerusalem anzukommen, denn es werden Großdemonstrationen erwartet, die dann oftmals ganze Stadteinfahrten besetzen.

Wir kommen von Samaria, also vom Norden nach Jerusalem rein. Die Schnellstraße ist gegen Terrorattentate durch Mauern, entlang der Straße von beiden Seiten gesichert.

In Israel läuft, trotz Krieg, die inszenierte politische Kampagne von links gegen Bibi Netanjahu, als Versuch, der Regierung zu schaden. Erst recht, da aktuell dem jetzigen Direktor des Schaback (Inlandgeheimdienst) gekündigt wurde. Einer derjenigen sogenannten als „Conceptia“ in Israel betitelten alten Garde, die durch ihre Politik wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Massaker vom 7. Oktoberer möglich wurde. Er hat mit entschieden, damals Netanjahu nicht rechtzeitig zu informieren, da leitende Militärs die drohende umfassende Gefahr falsch eingeschätzt haben. Für dieses Versagen haben sie später Netanjahu verantwortlich gemacht, also zum eigenen Schutz ihn bewusst diffamiert. Für Interessierte, die Hintergrundinfos dazu wünschen, füge ich hier einen aktuellen Artikel des Chefredakteurs von JNS, einer konservativen, jüdischen Internet Zeitung, an.

Rauf nach Jerusalem zu fahren, ist immer wieder was Besonderes. Aktuell hat es ich bewölkt und abgekühlt.

Einfahrt vom Süden kommend, nach Jerusalem, mit d. Brücke, die „Harfe“

Wir kommen gut bei unserem Übernachtungsquartier, der Klosteranlage „Ratisbonne“ an. Am Tor telefonieren wir mit Father Elio und er öffnet uns elekrisch das Tor, um Einfahren zu können.

Kloster Ratisbonne

Dazu schreibt Wikipedia: Das Kloster Ratisbonne ( arabisch دير راتسبون , hebräisch : מנזר רטיסבון ) ist ein Kloster im Rehavia Stadtteil in Jerusalem , das von Marie-Alphonse Ratisbonne , einer französischen Konvertitin aus dem Judentum , gegründet wurde. Die Arbeiten an dem Gebäude, das von dem französischen Architekten M. Daumat entworfen wurde, begannen 1874 auf einem kahlen Hügel, der heute im Zentrum von Westjerusalem liegt. Und weiter: https://en.wikipedia.org/wiki/Ratisbonne_Monastery

Father Elio begrüßt uns herzlich und zeigt uns das Zimmer 9, das Gleiche wie letztes Jahr, uns schon vertraut. Auf dem Kloster- Innenhof findet mit vielen Kindern, lautstark zur Zeit ein Gemeindefest der äthiopischen Gemeinde statt.

Nach einer Pause und dem ersten Einräumen, entschließen wir uns noch zu einem Gang in die Altstadt. Es ist immer wieder wundersam, auf den Straßen Jerusalems zu gehen.

Die Klosteranlage, als wir uns auf den Weg machen

Arabischer, historischer Mamila Friedhof

Dieser Friedhof ist auch ein prägnantes Zeichen und eine „archäologische Fundgrube“ für die ganz besondere jahrtausendlange Geschichte mit der intensiven Begegnung der Weltreligion und der gegenseitigen Akzeptanz, bzw. dem Kampf um die jeweilige Vorherrschaft und Deutungshoheit im Land. So war dieser Friedhof real mal ein großer christlicher Friedhof, bis er mit der islamischen Besatzung Jerusalems im 7. Jhd. „übernommen“ wurde denn christliche Schriften, die Mamilla erwähnen, konzentrieren sich oft auf die persische Eroberung Jerusalems im Jahr 614 n. Chr., nicht auf die muslimische im Jahr 638. Dazu weiteres: Sophronius berichtet in seiner Weihnachtspredigt von 638/39 zwar nicht von der Zerstörung Jerusalems, aber von den Taten der „mörderischen, barbarischen Saracenen.“  Antiochus Strategius, ein Mönch aus dem Kloster Mar Saba, liefert einen detaillierten Bericht über die persische Eroberung Jerusalems. Er beschreibt das Massaker an Christen und erwähnt Grabstätten, darunter Mamilla, wo viele der Opfer begraben wurden. Archäologische Funde im Gebiet von Mamilla haben Massengräber freigelegt, die vermutlich mit dem Massaker an Christen während der persischen  Eroberung in Verbindung stehen. Die Datierung der Funde erfolgt mit Hilfe der historischen Berichte über das Ereignis. Ein archäologischer Bericht der Funde von Mamilla von Gideon Avni, “The Persian Conquest of Jerusalem (614 c.e.)—An Archaeological Assessment,” Bulletin of the American Schools of Oriental Research, No 357 (2010), pp. 35-48; The University of Chicago Press.

Warm eingepackt, kommen wir, gefühlt beinahe bei norddeutschem Wetter, am Jaffa Tor der Altstadt an.

Freitag, 21.3.25

Ein „Familienausflug“ der besonderen Art Um 4.45 Uhr machen wir uns mit der gesamten Familie Fuchs, Eltern und 5 Kinder auf den Weg.. Eliaz, der Jüngste, ist in der 1. Klasse. Aus dem Kibbuz Beth El werden frisch gepresster Orangensaft mitgenommen, sowie mehrere Kartons mit Laugenstangen. Daniel fährt einen Kleinbus, um alles transportieren zu können. Bin schon früher wach, immer in der Anspannung wir könnten verschlafen. Heute gehts zum Kibbuz Nir Galim, südlich Tel Aviv. über 4000 Schabbat Sandwiches für die Soldaten in Gaza, Samaria und die syrische. sowie libanesischen Grenze. Wir gehören gegen 6 Uhr zu den ersten und fangen an mit, dem Aufbau der Tische, etc. für die Zubereitung der Sandwiches. Zu fünft schneiden wir 4200 Schabbatbrote auf.

Seit 1,5 Jahren, werden jeden Freitag zum Schabbat für Soldaten zwischen 3-4 Tsd. Sandwiches von vielen Freiwilligen zubereitet. Dafür bedarf es Spenden von 6500,- Euro für die Zutaten pro Woche, auch unser Verein beteiligt sich. Und jede Woche wird dabei mit einem Aufkleber eines Gefallenen gedacht.. An der Wand einige der gefallenen Soldaten. Heute wird Generalmajor Saadia Yaakov Deri, (s. Bild Mitte) gedacht. Und seine Familie ist gekommen, um sich bei allen Helfern zu bedanken.

Eltern Deri und Bruder

Gegen 11 Uhr sind 4200 Sandwiches fertig. Die Auslieferung an die Bases ist organisiert. Wir fahren zwei Stützpunktean der Gazagrenze an.

Die erste Anlieferung geschieht in „Sde Teiman“, einem Stützpunkt in der Nähe Beer Shevas. Die Soldaten, freuen sich, dass aus Deutschland/Hamburg Menschen kommen, um sie zu unterstützen, Eine Sunde später werden die Sandwiches in den Gazasgteifen zu den Kampfeinheiten gebracht.

Weiter geht es zum Grenzübergang „Kerem Shalom“. Es ist eine Panzereinheit, beinahe auf Höhe von Rafiah. Dies wird in unseren Medien „Raffah“ genannt. Über Kerem Shalom ist ein Großteil der humanitären Güter nach Gaza eingeführt worden. Dies geschah auf besonderen Druck des Westen, insbesondere des amerikanischen Ex- Präsidenten Biden, der daran die Unterstützung Israels koppelte. Heute weiß man nachweislich, dass das was Israel immer beteuerte zutrifft. Die UNWRA als Vermittler vor Ort war Partner der Hamas Terrororganisation und die Waren nutzte diese als Unterstützung ihres Vernichtungswirkens Israel und hat somit das Leid der Geiseln sogar noch verlängert. Zu UNWRA, die immer noch mit unvorstellbaren Millionenbeträgen vom deutschen Außenministerium gesponsert wird, hier eine Erklärung des FDP Politikers bei Markus Lanz

Auf dem Rückweg fahren wir noch am Gedenkort „Wand der brennenden Autos“ vorbei. Hier lagern 1560 Fahrzeuge. Da in vielen Menschen bei lebendigen Leib verbrannten – die Terroristen steckten mit Flammenwerfern die Autos an – ist für viele Familien und Freunde der Betroffenden dieser Ort besonders wichtig.

Abschließend ein interessantes Interview mit dem Major der Fallschirmspringer Yair Jablinowitz der IDF, der als Reservist in Gaza kämpft und gibt einen umfassenden Einblick mit seiner differenzierten Beurteilung dessen, was hier in Israel geschehen ist und gerade noch geschieht.

Donnerstag, 20.3.

Heute Morgen treffen wir uns mit Udo Janssen, einem Filmregisseur, gebürtig aus Husum. Er konvertierte 1989 – aus einem säkularen Elternhaus kommend – zum Judentum. Nach einem Kibbuzvolontariat entschied er sich , im Land zu bleiben. Kurz vor unserer Reise kamen wir in Kontakt. Er berichtet von seinem Leben und seinem Vorhaben eines Videoprojektes über israelische Lebensalltagssituationen und Projekte zur Völkerverständigung zwischen Israel und Deutschland, für das er Geldgeber sucht. Da kann ich ihm keine Hoffnung machen, dass wir das vom Verein initiieren können. Aber wir können auf sein Vorhaben aufmerksam machen.

Zum Mittagessen erwartet uns dann wieder Abi. Wunderbar. Auch Levy, ihr Ältester, der gerade in Klausuren steckt, die nächstes Jahr zum Abitur führen, isst mit uns. Gleichzeitig durchläuft er eine Zimmermannsausbildung. Danach zeigt er uns die Landwirtschaft des Kibbuz, in der er aktiv mitarbeitet und den Bau der neuen Molkerei an dem er mitwirkt. Dabei treffen wir Awi, der mit seinen 28 Jahren den landwirtschaftlichen Kibbuzteil verantwortlich leitet.

Awi hat das ganz Jahr über Ernten und parallel, Baumpflegearbeiten, Orangen, Zitronen, Mandarinen, Pfirsiche, Kirschen, Avocados, etc. Sie verkaufen an den Großhandel. 3 Hilfswerke holen große Mengen für Bedürftige. (Auch Zedakah holt wöchentlich ihren Gemüse- und Obstbedarf) Heute Abend werden noch große Mengen Orangen gepresst, um den Saft morgen mit zu den Soldaten zu nehmen. Wie auch umfassende Fleischmengen wöchentlich.

Abends besuchen wir Familie Bayer, sie kommen bald nach Hamburg, da ein Sohn dort eine medizinischen Eingriff benötigt. Es gibt Überlegungen zur Planung ihres Aufenthaltes zu besprechen. Ihr Ältester hat gerade seinen Militärdienst beendet. Die jungen Männer vom Kibbuz Beth El dienen in einer Spezialarbeit der IDF, die dem militärischen Geheimdienst angeliedert ist. Sie verpflichten sich per Unterschrift, nicht darüber zu sprechen. Nach dem Massaker des 7. Okt. 23 war auch er besonders gefordert. Das Kibbuz hat zusätzlich für die kämpfenden Panzer großen Mengen Metalldächer geschweißt, die dazu dienen, die Panzerbesatzung vor Sprengladungen von Drohnenabwurf zu schützen, berichtet Vater Bayer. Sie wohnen in Zichron mit Blick aufs Meer.

Mittwoch, 20.3.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Daniel Fuchs empfahl uns die Küste bei „Nasholim Dor“ zu besuchen, wohin sie zum Spaziergang als Familie gerne fahren. Da der Wetterbericht für den Nachmittag und die kommenden Tage Regen prognostitiert, entscheiden wir gleich zufahren. Und es lohnt sich. Wir erleben es richtig als eine urlaubsmäßige Verschnaufspause.

Einen Schreckmoment haben wir, als wir eine Drohne am Himmel hörten und dann auch am Himmel fliegen sahen. Warum Schreck? Dem Strand vorgelagert ist eine Gasbohrinsel. Und diese wurde vor einigen Tagen tatsächlich von einer Drohne aus dem Libanon kommend angegriffen. Das hatte Familie Fuchs auf Ihem Ausflug life mitbekommen und uns gerade am Abend zuvor berichtet

Auf dem linken Foto wird je eine Rakete auf die Drohne von beiden die Bohrinsel schützenden Boote abgeschossen. Rechte Aufnahme macht mit den kleinen Wölkchen die Treffer sichtbar. Aufnahmen der Familie Fuchs, die das auf ihrem Spaziergang fotografierten. Uns wird aber bewusst, dass mittlerweile die IDF, die die Grenze von der Seite der Mittelmeerküste schützt, eine Einheit extra für Drohnen weiter im Süden, in der Nähe des Strandes Palmachim stationiert hat. Von dort werden diese zum Schutz der Küste, permanent eingesetzt.

Zum Mittag sind wir von Abi zum Essen eingeladen, sie wirkt leitend in der Kibbuzhauptküche in Zichron und ist verantwortlich, dass täglich um die 1000 Essen für Kibbuzniks und Angestellte in den Firmen hergestellt werden. Sie bringt uns einfach 2 Portionen mit. Abi, deren Vater von Holland nach Amerika ausgewandert war, um organischen Anbau im größeren Stil zu betreiben – und das im Gemeinschaftsleben. Er fand damals die Möglichkeit, dies auf einer großen Farm in Kanada zu realisieren, lernte dort seine zukünftige Frau kennen, (Abis Mutter, Tochter eines der Gründer dieser christlichen Farm-Gemeinschaft) Zusammen bekamen sie 9 Kinder. Die gesamte Gemeinschaft entschied sich, Abi war 22 Jahre, gemeinsam nach Israel zur Beth- El Gemeinschaft umzusiedeln. Eine Schwester wohnt mit Familie auf dem gleichen Stockwerk und deren 6 Kinder gehen selbstverständlich hin und her mit ihren 5 Kindern. Auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung machen wir ein paar Bilder in der Straße.

Was für ein Segen. Nur mal eben in der Nachbarschaft aufgenommen.

Dienstag,18.3.

Nach dem gemeinsamen Frühstück verlassen wir Sabra. Beschattet ist unser Abschied davon , dass Ruth noch ziemlich gehandicapt von ihren Beschwerden ist und wegen dieser Beschwerden nicht gehen kann, geschweige Treppen überwinden. Moti hat einen starken Infekt und auch, Hannah auch ist angeschlagen, also ein dickes Gebetsanliegen! Trotzdem kommt Moti zum Frühstück und wir machen ein gemeinsames Abschiedsfoto.

Ein Gartenbild vor dem großen „Sabra Kaktus“ im Garten. Seine Früchte („Sabres“, plural) wachsen noch

Wir machen uns auf den Weg nach Maalot, um Sami zu besuchen, die ein 3 monatiges Volontariat im Altenheim „Beth Eliezer“, Teil des Zedakah Werkes, Meisenbach/Süddeutschland, macht. Sie holt uns am Parkplatz ab und nimmt uns mit in eine Beschäftigungsgruppenstunde. In Israel ist heute der „Tag der guten Werke“ Eine Gruppe junger Menschen mit Mehrfachbehinderungen besuchen die Holocaustüberlebendenden. Wir machen einfach mit. Danach lernen wir Karin Bayer kennen, die mit ihrem Ehemann das Heim leitet. Und werden zum Mittagessen der Mitarbeiter/Volontäre eingeladen. Beim Gespräch danach im Garten berichtet Sami, die am 14. Freundestreffen in Hamburg mitgewirkt hat, von Ihrer Tätigkeit vor Ort.

Mit Sami im schönen Garten Beth Eliezers

Dann begrüßt uns Frank Clesle , Werksleitung Zedaka, Meisenbach. Er ist extra für das aktuelle Baukommission-Leitungstreffen angereist. Wir haben uns in Schwäbisch Gmünd auf der großen Israel Konferenz kennengelernt. Dann kommt ein weiteres Bayer -Ehepaar aus dem Leitungdteam vorbei und so kommen wir ins Gespräch mit den Eltern von Uriah, Nelly und Gideon. Sie berichten darüber, was sie alles erlebt haben nachdem ihr Sohn als Soldat einer kämpferischen Einheit in Gaza fiel. Es hat uns sehr tief berührt. Ist aber zuviel, als dass ich hier alles aufschreiben kann. So kamen wir auf die Idee, auf folgende 2 Videos aufmerksam zu machen. Dies deutsche Video fasst davon einiges zusammen, ist vor 6 Monate aufgenommen worden:
https://youtu.be/YUEn1l3mAFo?si=KbeZvqhcWgGBGrMU

Dies englischsprachige Video (vor 3 Monaten) gibt noch zusätzlich einen Eindruck vom Leben und Arbeiten der Familie.

Abends kommen wir in Binyamina bei Familie Fuchs an , werden herzlich begrüßt und Aby zeigt uns dann die Ferienwohnung. Danach sind wir zum leckeren Essen mit der ganzen Familie eingeladen. Da wir u.a. ein neues Spiel mitgebracht haben muss das natürlich noch ausprobiert werden.

Montag, 17.3.

Heute machen Moti und ich uns früh auf den Weg nach Zichron Yaakov zum christlichen Kibbutz Bethel. Wir treffen uns, wie verabredet, mit dem Leiter Stephan Link. Mein Gedanke, dass die beiden sich kennenlernen. Hannah, Anna und Ulrike besuchen parallel, einige Holocaust Überlebende.

Stefan Link nimmt sich auf seine herzliche Weise besonders Zeit für die Begegnung, obwohl es seinen Terminkalender durcheinander bringt. Wir werden mit einem üppgigen Frühstück bewirtet, dass uns Abi Fuchs an den Tisch bringt. Eine schöne Überraschung mit herzlicher Begrüßung. Wir sehen uns ja in den kommenden Tagen. Stefan und Moti berichten sich gegenseitig von ihrer jeweiligen Arbeit und Berufung. Mal auf englisch, da konnte ich folgen, dann auf hebräisch, was für beide lebensnäher ist. Mir ist wichtig, dass sie sich kennenlernen. Stefan unternimmt mit uns eine Kurzführung: Gästehaus, Gottesdienstsaal, kibbuzeigener Laden mit vielen hochqualitativen Nahrungsmittelgeschenken aus eigener Kibbuzproduktion. Weiter geht es zum Kibbuzkindergarten, in die Fabrik mit Begehung des Besuchertraktes für Führungen und der Musterausstellung der umfassenden Filteranlagen, z. B. zur militärischen Nutzung in Panzern, Marinebooten, Flugzeugen, etc. Die neueste, große Anlage kann z. B. radioaktive, biochemische und chemische Kampfstoffe ausfiltern. Aktuell werden davon 3000 im Monat hergestellt. Auch die Nato, Indien, etc. sind große Abnehmer. Ein besonderes „mobiles Rettungszelt“ zur Sauerstoffbeatmung und zur Behandlung von außen, wurde von der IDF erbeten und von ihnen konstruiert.

Musteraustellung der Filteranlagen für zivile Nutzung, Beth- El, Zichron Yaacov, Stefan Link, Moti

Abschließend lädt Stefan Link Moti noch für Purimgeschenke in den schicken Shop des Kibbuzes ein. Reichbepackt machen wir uns auf den Heimweg. Besonders zur Freude Hannahs bringen wir (der Holländerin) hochwertigen Käse mit.

Hannah, Anna (Mitarbeiterin aus der Ukraine kommend) und ich (Ulrike) machen uns auf den Weg zu Holocaustüberlebenden, die kaum noch in der Lage sind, die Wohnung zu verlassen. Einmal im Monat werden sie besucht, z.T. mit Lebensmittelpaketen. Sie haben ukrainisch und russischen Hintergrund. Das Wichtigste bei diesen Besuchen ist das Zuhören. Rima erwartet uns mit einem reich gedeckten Tisch in ihrem kleinen Appartement. So was ähnliches wie Plinis sind selbst gebacken.

Sehr schnell spricht mich Rima mit Namen an, in ständigem Blickkontakt und erzählt ihre Geschichte. Bei Kriegsbeginn war sie 1 Jahr alt. Sie wohnten in Artjomowsk (heutiges Bachmut) Ihre Familie floh nach dem Einmarsch der Deutschen und den beginnenden Gräueltaten mit dem letzten Zug nach Kasachstan. Weinend erzählt sie, das ihre Familie mütterlicherseits mit 900 anderen von deutschen und ukrainischen Soldaten zu einem See gebracht wurden und unter Gewalt in den See getrieben und so ertränkt wurden. Sie kann bis heute nicht fassen, was da geschah.

Rimas ermordete Familie mütterlicherseits und das Mahnmal

Eigentlich heißt sie Rivekka, doch den Namen mochte sie nicht und und in der Schule wollte sie nicht als Jüdin auffallen. Das war auch nach dem Krieg, als sie kehrten, eher gefährlich. Sie erzählt liebevoll und dankbar von ihrer Mutter, einer starken Frau, die wie eine Löwin für ihre Kinder und Familie kämpfte. Sie erwähnte nicht ihre Tochter und Enkelin, in Israel lebenden. Es gab von beiden nur ältere Bilder. Ihre Erinnerungen und ihre Trauer überdecken dies. Bei der Verabschiedung umarmen wir uns fest.

Nach gemeinsamen Mittagessen machen sich das Ehepaar Klimer mit Ruth auf den Weg zum Arzt, um eine Diagnose einzuholen. Ruth es nach der gestrigen Injektion auch mit viel Aufwand, die kleine Treppe zu bewältigen. Ein Bein kann sie nicht belasten. Ulrike fährt derweil mit zum Großeinkauf für wöchentliche Lebensmittelpakete. Sie werden verpackt – heute von mir- und an Bedürftige verteilt. Ulrike schrubbt währenddessen den Ofen.

Abends machen wir nach dem Packen noch einen Abendspaziergang.

Sonntag, 16.3. – 1. Tag der Arbeitswoche

Zuvor nochmal Gedanken zu – Was bedeutet heute Purim?

Quelle des Fotos: https://aish.com/purim-at-goebbels-castle/ Purim ist mehr als ein Fest – es ist ein Zeugnis für das Überleben des jüdischen Volkes. Ein eindrucksvolles Bild vom März 1945 fängt diese Wahrheit ein: Jüdische Soldaten feiern Purim im Haus von Joseph Goebbels, dem NS-Propagandaminister. In Tallit gehüllt, mit der Thora in der Hand und die Megilla lesend, trotzten sie einem Regime, das versucht hatte, sie auszulöschen. Fast 80 Jahre später beteten und lasen IDF-Soldaten in Gaza die Megilla und stellten sich einem weiteren Feind entgegen, der sie vernichten wollte. Über 3.500 Jahre lang ist ein Reich nach dem anderen mit demselben Ziel entstanden – die Vernichtung des jüdischen Volkes. Von Pharao in Ägypten bis Haman in Persien, von den Römern bis zu den Nazis – jeder glaubte, er würde siegen. Doch die Geschichte erzählt immer wieder eine andere Geschichte. Das jüdische Volk hält durch. Es baut wieder auf. Es feiert. Purim erinnert uns daran, dass Überleben nicht nur bedeutet, physische Bedrohungen zu überwinden, sondern auch an Identität, Glauben und Zielen festzuhalten. Die Feinde des jüdischen Volkes haben stets versucht, es auszulöschen, doch heute steht die jüdische Nation stark da und gedeiht in ihrer Heimat und darüber hinaus. Die Megilla, die an Purim gelesen wird, lehrt, dass Geschichte kein Zufall ist – jede Wendung führt letztlich zur Erlösung. Chag Purim Sameach! (Jodi Samuels, Internet)

Wir sind früh auf. Die Wassertemperatur für die Dusche habe ich trotz meiner Versuche nicht wirklich warm bekommen. Heute hat Hannah Geburtstag. Im Garten werden ein paar Blumen für den Frühstücksplatz des Geburtstagskindes gepflückt. Da wir heute am frühen Vormittag einen Termin zum Purimfeiern in einem Stützpunkt außerhalb haben, heißt es früh loszukommen. Trotzdem gibt es mit Gitarrenbegleitung ein Geburtstagslied in deutsch. Hannah, da in den Niederlanden 6 Jahrzehnte gelebt, versteht deutsch. Wenn wir uns sonst mit englisch uns zu verständigen. Neben hebräisch wird auch viel russisch, ukrainisch und etwas finnisch (Ruth) gesprochen. Mit 2 Wagen, 7 Personen, fahren wir zum Stützpunkt. Das Batallion ist eine Spezialeinheit für Noteinsätze und Katastrophenhilfe im Norden und weltweit. Sabra hat seit vielen Jahren Kontakt zu dieser Einheit und unterstützt insbesondere Soldaten, die materiell eher zu kämpfen haben.

Unsere 150 Süßigkeitentüten

Wir sind angemeldet. Werden am Tor von den Wachhabenden überprüft. Nach Nachfragen werden wir durchgelassen und von der Komandantin im Piraten-Purimoutfit herzlich willkommen geheißen. Bei der Feier gibt es auch einen Kostüm- Wettbewerb. Hier wird Moti und das gesamte Sabra Team offiziell vor der versammelten Einheit über Mikrofon herzlich begrüßt, dabei hebt sie bei den 2 deutschen Gästen besonders hervor, dass sie sich freut, dass wir das Volk Israel lieben. Beim Kostümwettbewerb werden die Soldatenkinder zuerst gewürdigt. Aber letztendlich gewinnt eine Gruppe, die Ihre Präsentation auch noch musikalisch mit einer Show untermalt.

Alle bekommen Süßigkeiten

Zum Abschied bekam jeder vom Sabrateam einen Anhänger geschenkt, den ein Kind eines hier stationierten Soldaten entworfen hat. Der Text: „Ein mutiges Herz ist unsere Sicherheit“

Auf dem Rückweg teilen wir die Fahrgemeinschaften neu ein. Mit Moti fahre ich zum Baumarkt in Afula, um Stahlseile für die Markisenreparatur am Sabrahaus zu besorgen. Zuhause kommt dann das große Sabrateam ganz geheimnisvoll zusammen, um Hannahs 72. Geburtstag „im Rennen des Sabraalltags“ gemeinsam zu begehen.

Nach einer Pause , draußen 35 Grad, machen wir am späteren Nachmittag einen Spaziergang bei leichter Brise und schon etwas Abkühlung. Oben auf dem Berg von Givat Ha Moreh sehen wir im Wald Pferde. Dies in der Nähe (nach der Legende) des Grabes des ottomanischen Generals Dahi, der im Kampf in der Jesreelebene gegen die Kreuzfahrer fiel und von seinem Hund auf die Spitze des Berges getragen und bestattet wurde. Daher hat der arabische Ort „Dahi“, der hier liegt, seinen Namen.

Und dann ganz orientalisch – in der Abendstille – Geräusche aus der einen arabischen Stadt (südlich des Bergrückens und die Rufe vom Minarett aus „Dahi“ und „Nain“, nördlich des Berges. (für Bibelkundige, daher der „Jüngling aus Nain“, Lukas 7,11-17) Die Verstärkeranlage vom Band mit Ruf zum Gebet an Allah funktioniert mehrmals am Tag, auch gegen 4.30 Uhr in der Nacht.

Nach dem gemeinsamen Abendessen, Pizza bestellt. Zieht sich Moti für die Vorbereitung des englisch sprachigen Zoom-Lehrmeetings zurück, dass Sonntags jeweils um 22 Uhr beginnt und mit Hannah lassen wir ihren Geburtstag ausklingen, in dem sie von Gottes Führung und mehrfachen lebensentscheidenden Eingreifen in ihrem Leben uns berichtet. Wir meinen es ist so wervoll, dass es als biografischer Lebensbericht aufgeschrieben werden sollte. Und nicht nur für Ihre Kinder, Enkelkinder, bzw. Urenkelkinder. Hannah hat übrigens nach Ihrer Konversion zum Judentum erst erfahren, dass Ihre Vorfahren mit Namen „Belmonte“ ehemals aus Portugal in die Niederlande, geflohene Juden sind. Dort nahmen sie den Namen „Schönenberg“ (direkte Übersetzung aus dem Portogiesischen; niederländisch „Chonenberg“ ausgesprochen) an.

Samstag, 15.3. – Schabbat

Es soll heute über 30 Grad werden. Da wir vorhaben zu wandern, heißt es früh aufzustehen, um den Vormittag auszunutzen. Unser Ziel ist nicht weit, „Givat Ha Meron“. Ein Ort mit biblischem Zusammenhang, z. B. hat hier Gideon gegen die Midianiter gekämpt (Richter 7), die Israel damals zahlenmäßig militärisch massiv überlegen waren und ständig überfiel und beraubte. Also mit einem Szenario, dass mal wieder irgendwie hochaktuell klingt.

Den Wagen lassen wir bald stehen, da die Wege, eher einen Jeep erfordern. Wir parken, wahrlich im Grünen (Israel im Frühjahr ist schon besonders. Was für uns Norddeutsche normal klingt, alles grün, ist hier was Besonderes) und starten mit unserer Wanderung.

Dankbar, dass Ulrike diese Wege überhaupt wieder gehen kann, nach Ihren 2 Beinbrüchen. Mitten in der Walachei begegen und Jogger, Mountainbiker, eben Schabbatausflügler. Es tut gut in Israels üppiger Natur unterwegs zu sein. Wir kommen gerade zum gemeinsamen Mittagessen zurück. Ruth bekommt ihr Essen aufs Zimmer. Ulrike und ich trinken im Garten Tee nach einer Ruhepause und spielen „Rummikub“. Ein in Arad, Israel. hergestelltes Spiel, was wir auch gerne zuhause spielen. Gegen 18 Uhr beginnt die Vorbereitung für „Havdala“, die Schabbatausgangsfeier. Das Essen wird seit Schabbatbeginn immer auf Wärmeplatten warmgehalten. Vor dem Essen werden jeweils unter Gebet, in Esstischnähe, die Hände gewaschen. Auch dafür war alles vorbereitet. Dabei geht es nicht vorrangig um Hygiene, sondern um den Ausdruck einer Haltung vor Gott, um kultische Reinheit. Auch nach dem Essen geht das biblische Lehrgepräch und talmudische Verständnisklärung weiter, Themen haben wir genug. So auch die aktuelle Wochenlesung /Parashat, die Moti für jede Woche auslegt, hier die dt. Version. Grundsätzliches zum Werden des Volkes Gottes – Israel.

Danach geht es für Moti, bzw. das Ehepaar Klimer, weiter. Es steht ein Zoom-Teaching mit brasilanischen Pastoren an. Ulrike fällt plötzlich ein, dass wir noch Tüten mit Süßigkeiten, die wir am kommenden Vormittag 150 Soldaten übergeben wollen, mit einer Sabra-Grußkarte“ versehen müssen. Tja, Schabbat ist spürbar zu Ende.

Freitag, 14.3. – auf den Schabbat zugehen

Beim Frühstück Nachklang von der gestrigen Feier, immer noch dankbar für die herzliche Atmosphäre und gute fröhliche Gemeinschaft, spürbar umbetete Zeit. Dabei kristallisiert sich der Gedanke heraus, schön wäre es, der Gruppe Überlebender regelmäßig, vielleicht 1x im Monat Treffen gelebter Gemeinschaft anbieten zu können. Aber realistisch ist, es bedarf Menschen, die sowas zu gestalten auf dem Herzen haben und verbindlich durchführen können. Es fehlen aktuell dafür die Mitarbeiter, denn ein gemeinsames Essen sollte dazu gehören – eben Tischgemeinschaft. Ein Gebetsanliegen, dass sich Volontäre finden, die das leisten können. Auf unsere Frage, was aus Sicht von Hannah und Moti Grundvoraussetzungen wären auf Grund von jahrelanger Erfahrung: – 2 Wochen Kennenlernzeit, die aus eigenem Geldbeutel bezahlen werden. (17,50€ pro Tag)
– Die koschere Küche wertschätzen, also respektvoller Umgang mit den sich daraus ergebenen
speziellen im Haus gelebten Anforderungen. – Ein Empfehlungsschreiben eines Gemeindeverantwortlichen. Übrigens im Haus gilt das Verständnis, dass christlicher Lebensstil sich in praktisch gelebter Liebe äußert. Moti glaubt, dass es vielleicht bei einem Volontariat von mindestens einem Monat und länger, hilfreich sein könnte, wenn man zu zweit ist. Vielleicht fühlt sich jemand angesprochen? Interessierte können sich per Mail melden: sabrafund@gmail.com

Wir machen einen kleinen Spaziergang bei um die 30 Grad,

Die Schabbatlichter werden gemeinsam um 17 Uhr angezündet. Hannah, die Frau des Hauses betet. Ruth kann wegen starker Schmerzen nicht dabei sein, sie hat die Tür auf und ist somit auf Entfernung dabei.

Danach findet gegen Abend die Schabbatfeier statt und beginnt mit biblischer Lehre aus jüdischem Blickwinkel. Es geht also um unsere geistlichen Wurzeln. Zuvor musste alles für Schabbat zubereitet sein. Denn am Schabbat darf z. B. kein Strom angeschaltet werden, somit auch Handy- Laptopstop. Das Reisetagebuch pausiert. Das Problem für die Verfasser ist, das Leben und auch interessante Gespräche gehen weiter. Aber da ich jetzt am Sonntag nachmittag erst dazu komme weiterzuschreiben (in Israel wieder der 1. Tag der Arbeitswoche), waren zwischenzeitlich so viele Eindrücke, dass ich diese jetzt gar nicht mehr alle zusammenbekomme. Es war ja Schabbat. Ruths schmerzhafte aktuelle Lage überschattete irgenwie auch diesen.

Donnerstag, 13.3.

Heute gehen wir auf eine besondere Purimfeier zu. Es wird mit um die 40 Gästen gerechnet, davon 24 Holocaustüberlebende, die von Moti über „Sabra“ seit Bestehen, also seit 25 Jahren, betreut werden. Damals startete diese Gruppe noch mit um die 170 Teilnehmern. Viele sind mittlerweile verstorben.

Beim morgendlichen Frühstück entwickelt sich ein interessantes Lehrgespräch. Mit Themen wie Grundlagen/ Hintergrund der koscheren Küche und Bedeutung von Matthäus 24,15. Auch ein finnischer Gast ,Inkeri, vom messianisch-jüdischen Moshav „Yad HaShmona“ ist gestern Abend extra mit Kleinbus angereist, um als Shuttlefahrerin die Holocaustgruppe zu unterstützen. Moti erklärt zur grundsätzlichen Trennung von Milch- und Fleischgerichten, dass in jüdischer Tradition Fleisch symbolisch eher dem „Tod“ zugeordnet wird (das Tier musste sterben), dagegen „Milch“ dem „Leben“ zugeordnet wird. (Nahrung zur Aufzucht). Tod und Leben müssen strickt getrennt werden, dürfen nicht vermischt werden. Dazu auch der Hintergrund, dass Menschen als kultisch „unrein“ galten, wenn sie in Berührung/Kontakt zu einem Leichnams hatten und dann nicht in den Tempel konnten.

Dabei kommt es in der Frühstücksgruppe zu der Assoziation, dass im Judentum das Leben geehrt wird, dagegen im Islam, der „Tod“. Völlig unterschiedliche Wertekultur. Wobei der Koran, dann noch vorschreibt, Nichtmoslems, als Ungläubige (also auch Juden und Christen) zu töten! Beim Aufschreiben kommen mir dazu jetzt folgende Gedanken: Dies sind Fakten, die heute im Westen gerne geschönt, wenn nicht ganz verschwiegen werden. Israel kennt diese gelebte Realität, seit Bestehen als Nation. Juden allgemein kennen es als leidvolle Erfahrung seit Bestehen des Islams. Interessantes, heutiges Phänomen ist die Entwicklung, dass kommunistisch geprägte Gesellschaften/Nationen (wie beispielsweise Russland, China, Nordkorea) sich mit islamischen Nationen verbünden. Christen werden gerade in diesen beiden Kulturkreisen verfolgt und auch ermordet, siehe: https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex

Israel ist dagegen die einzige Nation im Nahen Osten, in welcher Juden und Christen in ihrer Glaubensauslebung geschützt sind. Juden, Christen, Moslems leben nebeneinander. Gerade heute habe ich ein Videoclip zur Situation von Israels Nachbarn Syrien erhalten. Mit dem Hilfeaufruf eines zum Schutz vermummten Christen, der von der aktuellen dramatischen Verfolgungssituation von der neuen djihadistisch geprägten Regierung berichtet.

Hier in Afula sind wir in Luftlinie nicht weit entfernt. Täglich hören wir Hubschrauber und Kampfflugzeuge über uns fliegen, die sich im aktiven Kriegseinsatz befinden.

Und wir fahren gleich los, um die Holocaustüberlebenden zur Purimfeier abzuholen. Dabei ist hier ein Teammitglied gerade mit schmerzhaften Rücken/Hüftbeschwerden stark belastet und mein Laptop bricht zusammen, lässt sich nicht starten – ich schreibe per Handy weiter.

Zurück zum Frühstück-Lehrgespräch. Wir sprachen u.a. darüber wie wir „den Greuel der Verwüstung“ (Matthäus 24,15) verstehen können? Ist es ein Phänomen gerade in unserer Zeit? Dazu ein aktueller Artikel heutigem weltweiten Geschehen. Könnte das schon eine Vorbereitung für das bei Matthäus Beschriebene sein?

Wieder eine Schreibpause, da ich mit unserem Wagen Holocaustüberlebende abhole. Mich begleitet dabei Ilan, 19 J. Er hat mit Familie vor 8 Jahren aus Novosibirsk kommend, Aliya gemacht. Dort litt er unter Osteporose, 2 Wirbelsäulenbrüche als Kind schon gehabt, musste deshalb jetzt seinen Militärdienst hier in Israel vorzeitig vor 1 Monat beenden. Wartet auf einen Studienplatz und lernt aktuell für eine Zulassung, da sein Abitur in Israel nicht ausreicht, es bedarf zusätzlich noch einer Aufnahmeprüfung. Mein Vorteil jetzt ist, er spricht sowohl russisch, wie hebräisch, die Sprachen in denen die Holocaustüberlebenden „zuhause“ sind. Ich hätte ohne ihn also gar keine Chance mich mit ihnen zu verständigen. Gegen 15 Uhr beginnt das Fest, von Hannah habe ich eine Bob Marley Perücke erhalten. Ilan hat die Technik vorbereitet und ein gläubiger Musiker aus Rumänien, der schon beinahe 40 Jahre im Land lebt, untermalt das Fest musikalisch.

Video eines Musikstücks mit Panflöte
Superstimmung bei der Polonaise zu „Rabbi Elimelech“

Wir sitzen am Tisch mit 3 Überlebenden aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die als kleine Kinder jeweils den Einmarsch der dt. Truppen erlebt hatten und geflohen waren, z. B. aus Königsberg nach Nowosibirsk, aus Belarus oder Kasachstan, sich unter Gorbatschow sich zur „Aliya“ entschlossen haben. Wir können uns über Jiddisch, mit „Händen und Füßen“ „verständigen“ und zusammen tanzen. Plötzlich scheint es, dass bei aller Tanzfreude die beschwerlichen Gehschmerzen wie weggeblasen sind. Die drei an unserem Tisch sind zum ersten Mal dabei und von der Gemeinschaft sehr berührt. Das fröhliche Miteinander. Jeder von ihnen lebt relativ isoliert. Würden gerne zukünftig wieder dabei sein. Und das nicht nur wegen des guten Festessens, der herzlichen Bewirtung und der schönen Purimgeschenke. Nach 2,5 Stunden heißt es schweren Herzens Abschied zunehmen. Alle dankbar mit dem Gefühl, ein fröhliches Miteinander mit wirklicher Purimstimmung erlebt zu haben.

Nachdem Ilan und ich 2 x 3 Gäste nach Hause gebracht haben, geht es etwas verspätet zum Purim-Gottesdienst in die Beit Meir Synagoge, im Zentrum Afulas.

Ich bin ziemlich müde und habe leider meine Bibel nicht dabei. Bekomme zwar zum Mitlesen der „Megillat Esther“ ein Buch überreicht, aber hebräisch. Und zu Purim wird die ganz Rolle/ Buch Esther gelesen. An der Bima liest der Vorleser für alle singend aus der Torarolle. Die Synagoge ist proppe voll, Kinder laufen herum und besuchen ihre Väter, alle lesen zumeist aus „Rollen“. Und immer wenn der Name „Haman“ fällt, wird Krach gemacht, per Fuß, Hupe, Rassel, etc. – ganz schön oft. Dies nun seit ca. 2300 Jahren. Der Bereich der Frauen ist abgerennt. Zuhause lassen wir zu viert den Tag gemeinsam ausklingen. Noch ganz dankbar unserem großen Gott gegenüber für den guten Verlauf.