Heute Vormittag nehmen wir uns Zeit, am Blog weiter zu schreiben. Es kostet nun mal Zeit und Kraft. Jetzt ist gerade Luft. Gegen Mittag – gerade der 1.Teil vom gestrigen Vormittag abgefasst – entscheiden wir uns für eine Pause, raus in die Sonne. Wir machen uns auf den Weg zum „Schalom“ Fallafelstand, Bezalelstraße.. Dieser kleine Laden ist eine Geheimadresse! Aber schon auf dem Weg, in den Straßen Jerusalems, gibt es wieder viel zu bewundern und zu fotografieren.



Zwischenbemerkung – Das Kloster Ratisbonne liegt in der Shmuel Haganid Str. und vor der Klosteranlage ist die Bordsteinkante beidseitig rot-weiß markiert. Beide Seiten sind vollgeparkt, Auto an Auto. Das ist auch Israel. Aber diejenigen, die dann zulange parken, bekommen dann doch ein Knöllchen. Die Bezahlung für Touristen ist kompliziert, denn man muß irgendwo zu einer Postfiliale um dort am Schalter die Einzahlung vorzunehmen. Ein Erlebnis vor Jahren, like Kishon. Man steht in einer Schlange mit Nummer ziehen, kann lange dauern. Es kostet aber mehr, wenn es später über den Autovermieter mit Zuschlägen abgerechnet wird.



Beim „Schalom“ angekommen, stehen Autos einfach an der vielbefahrenen, jeweils 2 – spurigen Bezalelstraße, einer starkfrequentierten Durchgangsstraße, parkend vor dem Laden, um sich eine Falaffel zu kaufen, eine Parkmöglichkeit gibt natürlich hier überhaupt nicht. Dieser Restaurant-Imbiss hat eine spezielle Geschichte. So steht auf der eigenen homepage zum Gründer: “ 1935-1945 – Großvater Shalom beginnt mit der Arbeit in der „Kohleh“ (Zement, der zum Füllen von Fugen zwischen Steinen in Wandverkleidungen oder Fußböden verwendet wird). Neben seiner Arbeit in Kohleh gab Großvater Shalom seine große Liebe zum Torastudium nicht auf, und das war es, was ihn dazu brachte, die Falafel zu öffnen. 1947 – „Die Falafel“ (!!) an einem Ort in der Nähe der Synagogen im Stadtteil „Nachlaot“, wo seine Freunde die Tora studierten. Großvater Shalom arbeitete ein paar Stunden am Tag und widmete den Rest seiner Zeit dem Torastudium.“ siehe ihre homepage: https://shalomfalafel.co.il/%d7%94%d7%a1%d7%99%d7%a4%d7%95%d7%a8-%d7%a9%d7%9c%d7%a0%d7%95/


Wir stehen noch an und warten auf unsere Bestellung, bekommen dabei schon jeder eine frische Falaffel in die Hand gedrückt – sehr lecker, da geht der Alarm los. Was in letzter Zeit regelmäßig gegen Abend geschah, jetzt zur Mittagszeit.
Dann der Knall der Abfangrakete, es ist schon mulmig und der Verkäufer meint nur, kommt etwas weiter rein. Einige Autos halten an, auch der Fahrer eines Straßenkehrautos sucht Schutz im Unterstand.



Dann ist der Alarm wieder vorbei, der ganz normale Wahnsinn geht weiter, das Alltagsleben. Viele Jerusalemer reagieren schon gar nicht mehr, ignorieren die Alarme. Auch hier ist wieder ganz Zentralisrael von Alarmen betroffen, also etwa ein 60 km Umfeld. Die 2 Raketen selber, bzw. Schrappnells der Abfangraketen gehen zwischen Hebron und Mo´diin runter, als 20 Km und mehr südlich von Jerusalem entfernt. Keiner wird verletzt. Wir sind nur mal eben auf einem Mittagessenbummel. Was kostet das Abfangen einer Rakete? Im Vergleich dazu wird der Preis für eine Abfangrakete PAC-3 MSE derzeit auf etwa 3,7 Millionen US-Dollar pro Stück taxiert, während die Kosten für einen Arrow-3-Rakete auf 4-5 Millionen US-Dollar pro Stück geschätzt werden.17.12.2024 (Internet) Die Houtis beschießen aktuell 1 x am Tag Israel mit einer ballistischen Rakete – als verlängerter Arm des iranischen MulIah Regimes Im Jemen besteht eine hohe Arbeitslosenquote. Diese sorgt für ein geringes Bruttoinlandsprodukt, das bei 551,95 US-Dollar liegt. Dies sorgt dafür, dass der Jemen Platz 6 in der Liste der ärmsten Länder der Welt einnimmt und das ärmste Land Asiens ist. (Internet)
An Nachmittag fahren wir nach Pisgat Zeev, ein Stadtteil im Norden Jerusalems. Wir sind mit Ruthy Sherman um 15.30 Uhr verabredet. Ruthy hatten wir als Tochter der Holocaustüberlebenden Hilde Sherman zum Marsch des Lebens, 2015 aus Israel eingeladen. Der Marsch ging auf den Spuren des Todesmarsches, den Ihre Mutter damals gehen musste. vom damaligen KZ HH- Fuhlsbüttel ins Lager nach Kiel. Mit dabei waren ihre Nichte Martha Birmaher und Tochter Lilian (Großnichte), die wir dazu aus Amerika eingeladen hatten. Hier ein Video der Auftaktveranstaltung zum Marsch am Abend zuvor, in der Kirche in Fuhlsbüttel.
https://www.youtube.com/watch?v=P9xX2FEzzQY
Hier ein Kurzvideo zur Erinnerung des damaligen Marsches aus Juni 2016, dazu aus den Vorbemerkungen: Lillian Milgram, 11 Jahre, USA, wünscht sich zu Ihrer „Bat Mitzwa“ (Fest zur Religionsmündigkeit) eine Reise nach Deutschland im Mai 2016, um gemeinsam mit ihrer Mutter auf den Leidensspuren Ihrer Urgroßmutter zu gehen. 2015 war es für sie die 1. Reise nach Deutschland. In das Land, in dem ihre Vorfahren so gelitten haben. Unser Marsch des Lebens führte 70 Jahre danach entlang der Stecke des historischen Todesmarsches von HH nach Kiel. Ihre Großmutter hat ihn als eine von 800 Gefangenen (davon ungefähr 200 Juden) gehen müssen. Der Film entstand im Zusammenhang eines Gedenkens zur 71. Jährung, dass Heinrich Kautzky veranstaltete, unter Teilnahme verschiedener Organisationen, die sich langjährig mit Aufarbeitung und Versöhnung befassen. Als „Christliche Israelfreunde Norddeutschland“ waren wir eine der teilnehmenden NGO´s. weitere Infos: www.cindev.de
https://youtu.be/xSQ9IUNlhqk?si=SXNq3v0wJokzadw1
Sich mit der Geschichte der Shoah, des Holocausts zu befassen und im Schuluntericht zu behandeln ist von bleibender Bedeutung. Die Holocaust Gedenkstätte „Yad Vashem“ macht dazu z. B. Lehrer Fortbildungsseminare, um dabei behilflich zu sein, zeitgemäß das Thema im Unterricht aufgreifen zu können. Hier ein Kurzvideo, in dem mit Hilde Sherman`s Geschichte etwas stellvertretend deutlich gemacht wird:
Ruthy wohnt in Wohngemeinschaft mit ihrer Pitbull Hündin „Kleopatra“ und einem langjährigen guten Freund Keith. Wir freuen uns, dass es endlich klappt. Einige Versuche bei unseren letzten Israelaufenthalten waren nicht zu realisieren, da es ihr gesundheitlich so schlecht ging. Auch jetzt ist sie sehr von massiven Schmerzen geplagt und kann sich nur wenig auf eigenen Beinen bewegen. Aber ein Foto auf der Terasse vor ihrem speziellen Baum bekommen wir hin.

Es gibt leckere Torte und Tee und Ruthy hat viel zu berichten. Zur Ehrung und in Gedenken an ihre Mutter war in deren ursprünglicher deutschen Heimatstadt, wurde eine Straße nach ihrem Namen benannt und Ruthy dazu eingeladen. Bei ihrer gesundheitlichen Situation eine große Herausforderung. In allem aktuellen Geschehen, der Fernseher mit aktuellen Nachrichten läuft wie vielerorts, ständig, um informiert zu sein, erinnert sich Ruthy gerade jetzt an eine Begegnung auf dem Marsch. In Kiel wurde sie von jemanden, sie betont „ein Nazi“, auf ihren Vater und dessen Bruder angesprochen, (die in Riga gefoltert worden waren). Er sprach von sich als damalig einfacher Soldat. Damals fragte sich Ruthy, woher weiß er vom Aufenthalt beider in Riga, denn sie waren in unterschiedlichen Lagern dort, das konnte kein einfacher Soldat „zufällig“ wissen. Und sie antwortete, ja beide waren da und an ihnen wurden Experimente mit Auswirkungen von Gaseinwirkungen, mit unterschiedlichen Gasmasken gemacht. Als sie davon sprach, sei der Mann rot angelaufen und schnell weggegangen. Ja unsere deutsche Geschichte in Beziehung zu Juden und die sich daraus ergebende besondere Verantwortung, gerade auch für Israel.
Ruthy berichtet noch über ihren Sohn Ariel, der lange im Libanon als Reservist eingesetzt war. Jetzt aktuell pausiert, aber im April wieder im Norden eingezogen wird.
Abends machen wir einen letzen Jerusalemer Abschiedsgang für dieses Mal durch das Quaree.


