Heute machen Moti und ich uns früh auf den Weg nach Zichron Yaakov zum christlichen Kibbutz Bethel. Wir treffen uns, wie verabredet, mit dem Leiter Stephan Link. Mein Gedanke, dass die beiden sich kennenlernen. Hannah, Anna und Ulrike besuchen parallel, einige Holocaust Überlebende.
Stefan Link nimmt sich auf seine herzliche Weise besonders Zeit für die Begegnung, obwohl es seinen Terminkalender durcheinander bringt. Wir werden mit einem üppgigen Frühstück bewirtet, dass uns Abi Fuchs an den Tisch bringt. Eine schöne Überraschung mit herzlicher Begrüßung. Wir sehen uns ja in den kommenden Tagen. Stefan und Moti berichten sich gegenseitig von ihrer jeweiligen Arbeit und Berufung. Mal auf englisch, da konnte ich folgen, dann auf hebräisch, was für beide lebensnäher ist. Mir ist wichtig, dass sie sich kennenlernen. Stefan unternimmt mit uns eine Kurzführung: Gästehaus, Gottesdienstsaal, kibbuzeigener Laden mit vielen hochqualitativen Nahrungsmittelgeschenken aus eigener Kibbuzproduktion. Weiter geht es zum Kibbuzkindergarten, in die Fabrik mit Begehung des Besuchertraktes für Führungen und der Musterausstellung der umfassenden Filteranlagen, z. B. zur militärischen Nutzung in Panzern, Marinebooten, Flugzeugen, etc. Die neueste, große Anlage kann z. B. radioaktive, biochemische und chemische Kampfstoffe ausfiltern. Aktuell werden davon 3000 im Monat hergestellt. Auch die Nato, Indien, etc. sind große Abnehmer. Ein besonderes „mobiles Rettungszelt“ zur Sauerstoffbeatmung und zur Behandlung von außen, wurde von der IDF erbeten und von ihnen konstruiert.




Musteraustellung der Filteranlagen für zivile Nutzung, Beth- El, Zichron Yaacov, Stefan Link, Moti
Abschließend lädt Stefan Link Moti noch für Purimgeschenke in den schicken Shop des Kibbuzes ein. Reichbepackt machen wir uns auf den Heimweg. Besonders zur Freude Hannahs bringen wir (der Holländerin) hochwertigen Käse mit.
Hannah, Anna (Mitarbeiterin aus der Ukraine kommend) und ich (Ulrike) machen uns auf den Weg zu Holocaustüberlebenden, die kaum noch in der Lage sind, die Wohnung zu verlassen. Einmal im Monat werden sie besucht, z.T. mit Lebensmittelpaketen. Sie haben ukrainisch und russischen Hintergrund. Das Wichtigste bei diesen Besuchen ist das Zuhören. Rima erwartet uns mit einem reich gedeckten Tisch in ihrem kleinen Appartement. So was ähnliches wie Plinis sind selbst gebacken.

Sehr schnell spricht mich Rima mit Namen an, in ständigem Blickkontakt und erzählt ihre Geschichte. Bei Kriegsbeginn war sie 1 Jahr alt. Sie wohnten in Artjomowsk (heutiges Bachmut) Ihre Familie floh nach dem Einmarsch der Deutschen und den beginnenden Gräueltaten mit dem letzten Zug nach Kasachstan. Weinend erzählt sie, das ihre Familie mütterlicherseits mit 900 anderen von deutschen und ukrainischen Soldaten zu einem See gebracht wurden und unter Gewalt in den See getrieben und so ertränkt wurden. Sie kann bis heute nicht fassen, was da geschah.

Eigentlich heißt sie Rivekka, doch den Namen mochte sie nicht und und in der Schule wollte sie nicht als Jüdin auffallen. Das war auch nach dem Krieg, als sie kehrten, eher gefährlich. Sie erzählt liebevoll und dankbar von ihrer Mutter, einer starken Frau, die wie eine Löwin für ihre Kinder und Familie kämpfte. Sie erwähnte nicht ihre Tochter und Enkelin, in Israel lebenden. Es gab von beiden nur ältere Bilder. Ihre Erinnerungen und ihre Trauer überdecken dies. Bei der Verabschiedung umarmen wir uns fest.
Nach gemeinsamen Mittagessen machen sich das Ehepaar Klimer mit Ruth auf den Weg zum Arzt, um eine Diagnose einzuholen. Ruth es nach der gestrigen Injektion auch mit viel Aufwand, die kleine Treppe zu bewältigen. Ein Bein kann sie nicht belasten. Ulrike fährt derweil mit zum Großeinkauf für wöchentliche Lebensmittelpakete. Sie werden verpackt – heute von mir- und an Bedürftige verteilt. Ulrike schrubbt währenddessen den Ofen.
Abends machen wir nach dem Packen noch einen Abendspaziergang.

