Sonntag, 16.3. – 1. Tag der Arbeitswoche

Zuvor nochmal Gedanken zu – Was bedeutet heute Purim?

Quelle des Fotos: https://aish.com/purim-at-goebbels-castle/ Purim ist mehr als ein Fest – es ist ein Zeugnis für das Überleben des jüdischen Volkes. Ein eindrucksvolles Bild vom März 1945 fängt diese Wahrheit ein: Jüdische Soldaten feiern Purim im Haus von Joseph Goebbels, dem NS-Propagandaminister. In Tallit gehüllt, mit der Thora in der Hand und die Megilla lesend, trotzten sie einem Regime, das versucht hatte, sie auszulöschen. Fast 80 Jahre später beteten und lasen IDF-Soldaten in Gaza die Megilla und stellten sich einem weiteren Feind entgegen, der sie vernichten wollte. Über 3.500 Jahre lang ist ein Reich nach dem anderen mit demselben Ziel entstanden – die Vernichtung des jüdischen Volkes. Von Pharao in Ägypten bis Haman in Persien, von den Römern bis zu den Nazis – jeder glaubte, er würde siegen. Doch die Geschichte erzählt immer wieder eine andere Geschichte. Das jüdische Volk hält durch. Es baut wieder auf. Es feiert. Purim erinnert uns daran, dass Überleben nicht nur bedeutet, physische Bedrohungen zu überwinden, sondern auch an Identität, Glauben und Zielen festzuhalten. Die Feinde des jüdischen Volkes haben stets versucht, es auszulöschen, doch heute steht die jüdische Nation stark da und gedeiht in ihrer Heimat und darüber hinaus. Die Megilla, die an Purim gelesen wird, lehrt, dass Geschichte kein Zufall ist – jede Wendung führt letztlich zur Erlösung. Chag Purim Sameach! (Jodi Samuels, Internet)

Wir sind früh auf. Die Wassertemperatur für die Dusche habe ich trotz meiner Versuche nicht wirklich warm bekommen. Heute hat Hannah Geburtstag. Im Garten werden ein paar Blumen für den Frühstücksplatz des Geburtstagskindes gepflückt. Da wir heute am frühen Vormittag einen Termin zum Purimfeiern in einem Stützpunkt außerhalb haben, heißt es früh loszukommen. Trotzdem gibt es mit Gitarrenbegleitung ein Geburtstagslied in deutsch. Hannah, da in den Niederlanden 6 Jahrzehnte gelebt, versteht deutsch. Wenn wir uns sonst mit englisch uns zu verständigen. Neben hebräisch wird auch viel russisch, ukrainisch und etwas finnisch (Ruth) gesprochen. Mit 2 Wagen, 7 Personen, fahren wir zum Stützpunkt. Das Batallion ist eine Spezialeinheit für Noteinsätze und Katastrophenhilfe im Norden und weltweit. Sabra hat seit vielen Jahren Kontakt zu dieser Einheit und unterstützt insbesondere Soldaten, die materiell eher zu kämpfen haben.

Unsere 150 Süßigkeitentüten

Wir sind angemeldet. Werden am Tor von den Wachhabenden überprüft. Nach Nachfragen werden wir durchgelassen und von der Komandantin im Piraten-Purimoutfit herzlich willkommen geheißen. Bei der Feier gibt es auch einen Kostüm- Wettbewerb. Hier wird Moti und das gesamte Sabra Team offiziell vor der versammelten Einheit über Mikrofon herzlich begrüßt, dabei hebt sie bei den 2 deutschen Gästen besonders hervor, dass sie sich freut, dass wir das Volk Israel lieben. Beim Kostümwettbewerb werden die Soldatenkinder zuerst gewürdigt. Aber letztendlich gewinnt eine Gruppe, die Ihre Präsentation auch noch musikalisch mit einer Show untermalt.

Alle bekommen Süßigkeiten

Zum Abschied bekam jeder vom Sabrateam einen Anhänger geschenkt, den ein Kind eines hier stationierten Soldaten entworfen hat. Der Text: „Ein mutiges Herz ist unsere Sicherheit“

Auf dem Rückweg teilen wir die Fahrgemeinschaften neu ein. Mit Moti fahre ich zum Baumarkt in Afula, um Stahlseile für die Markisenreparatur am Sabrahaus zu besorgen. Zuhause kommt dann das große Sabrateam ganz geheimnisvoll zusammen, um Hannahs 72. Geburtstag „im Rennen des Sabraalltags“ gemeinsam zu begehen.

Nach einer Pause , draußen 35 Grad, machen wir am späteren Nachmittag einen Spaziergang bei leichter Brise und schon etwas Abkühlung. Oben auf dem Berg von Givat Ha Moreh sehen wir im Wald Pferde. Dies in der Nähe (nach der Legende) des Grabes des ottomanischen Generals Dahi, der im Kampf in der Jesreelebene gegen die Kreuzfahrer fiel und von seinem Hund auf die Spitze des Berges getragen und bestattet wurde. Daher hat der arabische Ort „Dahi“, der hier liegt, seinen Namen.

Und dann ganz orientalisch – in der Abendstille – Geräusche aus der einen arabischen Stadt (südlich des Bergrückens und die Rufe vom Minarett aus „Dahi“ und „Nain“, nördlich des Berges. (für Bibelkundige, daher der „Jüngling aus Nain“, Lukas 7,11-17) Die Verstärkeranlage vom Band mit Ruf zum Gebet an Allah funktioniert mehrmals am Tag, auch gegen 4.30 Uhr in der Nacht.

Nach dem gemeinsamen Abendessen, Pizza bestellt. Zieht sich Moti für die Vorbereitung des englisch sprachigen Zoom-Lehrmeetings zurück, dass Sonntags jeweils um 22 Uhr beginnt und mit Hannah lassen wir ihren Geburtstag ausklingen, in dem sie von Gottes Führung und mehrfachen lebensentscheidenden Eingreifen in ihrem Leben uns berichtet. Wir meinen es ist so wervoll, dass es als biografischer Lebensbericht aufgeschrieben werden sollte. Und nicht nur für Ihre Kinder, Enkelkinder, bzw. Urenkelkinder. Hannah hat übrigens nach Ihrer Konversion zum Judentum erst erfahren, dass Ihre Vorfahren mit Namen „Belmonte“ ehemals aus Portugal in die Niederlande, geflohene Juden sind. Dort nahmen sie den Namen „Schönenberg“ (direkte Übersetzung aus dem Portogiesischen; niederländisch „Chonenberg“ ausgesprochen) an.

Samstag, 15.3. – Schabbat

Es soll heute über 30 Grad werden. Da wir vorhaben zu wandern, heißt es früh aufzustehen, um den Vormittag auszunutzen. Unser Ziel ist nicht weit, „Givat Ha Meron“. Ein Ort mit biblischem Zusammenhang, z. B. hat hier Gideon gegen die Midianiter gekämpt (Richter 7), die Israel damals zahlenmäßig militärisch massiv überlegen waren und ständig überfiel und beraubte. Also mit einem Szenario, dass mal wieder irgendwie hochaktuell klingt.

Den Wagen lassen wir bald stehen, da die Wege, eher einen Jeep erfordern. Wir parken, wahrlich im Grünen (Israel im Frühjahr ist schon besonders. Was für uns Norddeutsche normal klingt, alles grün, ist hier was Besonderes) und starten mit unserer Wanderung.

Dankbar, dass Ulrike diese Wege überhaupt wieder gehen kann, nach Ihren 2 Beinbrüchen. Mitten in der Walachei begegen und Jogger, Mountainbiker, eben Schabbatausflügler. Es tut gut in Israels üppiger Natur unterwegs zu sein. Wir kommen gerade zum gemeinsamen Mittagessen zurück. Ruth bekommt ihr Essen aufs Zimmer. Ulrike und ich trinken im Garten Tee nach einer Ruhepause und spielen „Rummikub“. Ein in Arad, Israel. hergestelltes Spiel, was wir auch gerne zuhause spielen. Gegen 18 Uhr beginnt die Vorbereitung für „Havdala“, die Schabbatausgangsfeier. Das Essen wird seit Schabbatbeginn immer auf Wärmeplatten warmgehalten. Vor dem Essen werden jeweils unter Gebet, in Esstischnähe, die Hände gewaschen. Auch dafür war alles vorbereitet. Dabei geht es nicht vorrangig um Hygiene, sondern um den Ausdruck einer Haltung vor Gott, um kultische Reinheit. Auch nach dem Essen geht das biblische Lehrgepräch und talmudische Verständnisklärung weiter, Themen haben wir genug. So auch die aktuelle Wochenlesung /Parashat, die Moti für jede Woche auslegt, hier die dt. Version. Grundsätzliches zum Werden des Volkes Gottes – Israel.

Danach geht es für Moti, bzw. das Ehepaar Klimer, weiter. Es steht ein Zoom-Teaching mit brasilanischen Pastoren an. Ulrike fällt plötzlich ein, dass wir noch Tüten mit Süßigkeiten, die wir am kommenden Vormittag 150 Soldaten übergeben wollen, mit einer Sabra-Grußkarte“ versehen müssen. Tja, Schabbat ist spürbar zu Ende.