Heute gehen wir auf eine besondere Purimfeier zu. Es wird mit um die 40 Gästen gerechnet, davon 24 Holocaustüberlebende, die von Moti über „Sabra“ seit Bestehen, also seit 25 Jahren, betreut werden. Damals startete diese Gruppe noch mit um die 170 Teilnehmern. Viele sind mittlerweile verstorben.
Beim morgendlichen Frühstück entwickelt sich ein interessantes Lehrgespräch. Mit Themen wie Grundlagen/ Hintergrund der koscheren Küche und Bedeutung von Matthäus 24,15. Auch ein finnischer Gast ,Inkeri, vom messianisch-jüdischen Moshav „Yad HaShmona“ ist gestern Abend extra mit Kleinbus angereist, um als Shuttlefahrerin die Holocaustgruppe zu unterstützen. Moti erklärt zur grundsätzlichen Trennung von Milch- und Fleischgerichten, dass in jüdischer Tradition Fleisch symbolisch eher dem „Tod“ zugeordnet wird (das Tier musste sterben), dagegen „Milch“ dem „Leben“ zugeordnet wird. (Nahrung zur Aufzucht). Tod und Leben müssen strickt getrennt werden, dürfen nicht vermischt werden. Dazu auch der Hintergrund, dass Menschen als kultisch „unrein“ galten, wenn sie in Berührung/Kontakt zu einem Leichnams hatten und dann nicht in den Tempel konnten.
Dabei kommt es in der Frühstücksgruppe zu der Assoziation, dass im Judentum das Leben geehrt wird, dagegen im Islam, der „Tod“. Völlig unterschiedliche Wertekultur. Wobei der Koran, dann noch vorschreibt, Nichtmoslems, als Ungläubige (also auch Juden und Christen) zu töten! Beim Aufschreiben kommen mir dazu jetzt folgende Gedanken: Dies sind Fakten, die heute im Westen gerne geschönt, wenn nicht ganz verschwiegen werden. Israel kennt diese gelebte Realität, seit Bestehen als Nation. Juden allgemein kennen es als leidvolle Erfahrung seit Bestehen des Islams. Interessantes, heutiges Phänomen ist die Entwicklung, dass kommunistisch geprägte Gesellschaften/Nationen (wie beispielsweise Russland, China, Nordkorea) sich mit islamischen Nationen verbünden. Christen werden gerade in diesen beiden Kulturkreisen verfolgt und auch ermordet, siehe: https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex
Israel ist dagegen die einzige Nation im Nahen Osten, in welcher Juden und Christen in ihrer Glaubensauslebung geschützt sind. Juden, Christen, Moslems leben nebeneinander. Gerade heute habe ich ein Videoclip zur Situation von Israels Nachbarn Syrien erhalten. Mit dem Hilfeaufruf eines zum Schutz vermummten Christen, der von der aktuellen dramatischen Verfolgungssituation von der neuen djihadistisch geprägten Regierung berichtet.
Hier in Afula sind wir in Luftlinie nicht weit entfernt. Täglich hören wir Hubschrauber und Kampfflugzeuge über uns fliegen, die sich im aktiven Kriegseinsatz befinden.
Und wir fahren gleich los, um die Holocaustüberlebenden zur Purimfeier abzuholen. Dabei ist hier ein Teammitglied gerade mit schmerzhaften Rücken/Hüftbeschwerden stark belastet und mein Laptop bricht zusammen, lässt sich nicht starten – ich schreibe per Handy weiter.
Zurück zum Frühstück-Lehrgespräch. Wir sprachen u.a. darüber wie wir „den Greuel der Verwüstung“ (Matthäus 24,15) verstehen können? Ist es ein Phänomen gerade in unserer Zeit? Dazu ein aktueller Artikel heutigem weltweiten Geschehen. Könnte das schon eine Vorbereitung für das bei Matthäus Beschriebene sein?
Wieder eine Schreibpause, da ich mit unserem Wagen Holocaustüberlebende abhole. Mich begleitet dabei Ilan, 19 J. Er hat mit Familie vor 8 Jahren aus Novosibirsk kommend, Aliya gemacht. Dort litt er unter Osteporose, 2 Wirbelsäulenbrüche als Kind schon gehabt, musste deshalb jetzt seinen Militärdienst hier in Israel vorzeitig vor 1 Monat beenden. Wartet auf einen Studienplatz und lernt aktuell für eine Zulassung, da sein Abitur in Israel nicht ausreicht, es bedarf zusätzlich noch einer Aufnahmeprüfung. Mein Vorteil jetzt ist, er spricht sowohl russisch, wie hebräisch, die Sprachen in denen die Holocaustüberlebenden „zuhause“ sind. Ich hätte ohne ihn also gar keine Chance mich mit ihnen zu verständigen. Gegen 15 Uhr beginnt das Fest, von Hannah habe ich eine Bob Marley Perücke erhalten. Ilan hat die Technik vorbereitet und ein gläubiger Musiker aus Rumänien, der schon beinahe 40 Jahre im Land lebt, untermalt das Fest musikalisch.


Video eines Musikstücks mit Panflöte





mit ihnen Purim feiern zu können und überreicht ein kleines Mitbringsel, gebastelt im deutschen Altersheim.

Wir sitzen am Tisch mit 3 Überlebenden aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die als kleine Kinder jeweils den Einmarsch der dt. Truppen erlebt hatten und geflohen waren, z. B. aus Königsberg nach Nowosibirsk, aus Belarus oder Kasachstan, sich unter Gorbatschow sich zur „Aliya“ entschlossen haben. Wir können uns über Jiddisch, mit „Händen und Füßen“ „verständigen“ und zusammen tanzen. Plötzlich scheint es, dass bei aller Tanzfreude die beschwerlichen Gehschmerzen wie weggeblasen sind. Die drei an unserem Tisch sind zum ersten Mal dabei und von der Gemeinschaft sehr berührt. Das fröhliche Miteinander. Jeder von ihnen lebt relativ isoliert. Würden gerne zukünftig wieder dabei sein. Und das nicht nur wegen des guten Festessens, der herzlichen Bewirtung und der schönen Purimgeschenke. Nach 2,5 Stunden heißt es schweren Herzens Abschied zunehmen. Alle dankbar mit dem Gefühl, ein fröhliches Miteinander mit wirklicher Purimstimmung erlebt zu haben.
Nachdem Ilan und ich 2 x 3 Gäste nach Hause gebracht haben, geht es etwas verspätet zum Purim-Gottesdienst in die Beit Meir Synagoge, im Zentrum Afulas.



Ich bin ziemlich müde und habe leider meine Bibel nicht dabei. Bekomme zwar zum Mitlesen der „Megillat Esther“ ein Buch überreicht, aber hebräisch. Und zu Purim wird die ganz Rolle/ Buch Esther gelesen. An der Bima liest der Vorleser für alle singend aus der Torarolle. Die Synagoge ist proppe voll, Kinder laufen herum und besuchen ihre Väter, alle lesen zumeist aus „Rollen“. Und immer wenn der Name „Haman“ fällt, wird Krach gemacht, per Fuß, Hupe, Rassel, etc. – ganz schön oft. Dies nun seit ca. 2300 Jahren. Der Bereich der Frauen ist abgerennt. Zuhause lassen wir zu viert den Tag gemeinsam ausklingen. Noch ganz dankbar unserem großen Gott gegenüber für den guten Verlauf.